Wer zum ersten Mal eine Nixie-Uhr sieht, stellt oft dieselbe Frage: Werden diese Röhren eigentlich noch hergestellt? Oder stammen sie alle aus alten Lagerbeständen?
Die kurze Antwort: Ja, Nixie-Röhren werden noch hergestellt. Auch bei uns. In unserer Werkstatt in der Ukraine fertigen wir bei Millclock die ZIN18 und ZIN70 – von den einzelnen Bauteilen bis zur fertigen Röhre.
Auf den Fotos in diesem Artikel siehst du einige Schritte dieser Arbeit. Noch kein orangefarbenes Leuchten, keine fertige Uhr. Dafür Glas, feine Drähte und viele kleine Teile, die sorgfältig zusammengefügt werden müssen.
Alte Lagerbestände und neue Röhren
Viele Nixie-Uhren verwenden Röhren, die vor Jahrzehnten produziert wurden. Häufig begegnet dir dabei die Bezeichnung „NOS“: New Old Stock. Gemeint sind alte Lagerbestände, die bislang nicht benutzt wurden.
Solche Röhren können wunderbar funktionieren. Ihr Alter allein sagt wenig über ihren tatsächlichen Zustand aus. Entscheidend sind unter anderem die Fertigungsqualität, die Lagerung und der spätere Betrieb.
Neu gefertigte Nixie-Röhren entstehen dagegen heute aus neuen Bauteilen. Unsere ZIN18 und ZIN70 gehören dazu. Wir setzen keine alten Röhren in neue Gehäuse ein, sondern stellen die Röhren selbst her.
Alles beginnt mit den Ziffern
Das Besondere an einer Nixie-Röhre steckt im Inneren: Jede Ziffer hat ihre eigene Form aus Metall. Diese sogenannten Kathoden liegen hintereinander und werden durch kleine Abstandshalter voneinander getrennt.
Wenn du eine ausgeschaltete Röhre genau ansiehst, kannst du die einzelnen Ziffern erkennen. Sie sind tatsächlich da – auch wenn sie gerade nicht leuchten.
Beim Zusammenbau müssen ihre Positionen stimmen. Die Ziffern dürfen sich nicht berühren, und die feinen Anschlüsse müssen an der richtigen Stelle sitzen. Dazu kommen das Anodengitter, Halterungen und isolierende Bauteile.
Auf unseren Werkbankfotos siehst du diese Baugruppen noch ohne Glashülle. Erst aus der Nähe wird deutlich, wie viel in einer einzigen Röhre steckt.
Glas hat mehr als eine Aufgabe
Die Glashülle macht das Innenleben sichtbar. Gleichzeitig muss sie später das Gas zuverlässig einschließen.
Ein wichtiger Bestandteil ist deshalb der Glasfuß mit seinen elektrischen Durchführungen. Durch ihn führen die Anschlussdrähte von außen zu den Bauteilen im Inneren. Glas und Metall müssen dabei dauerhaft dicht miteinander verbunden sein.
Auf einigen Bildern liegen diese Glasfüße nebeneinander auf einer blauen Arbeitsmatte. Sie sehen unscheinbar aus, erfüllen aber eine entscheidende Aufgabe: Ohne dichte Durchführungen kann die fertige Röhre nicht zuverlässig arbeiten.
Warum so viel von Hand geschieht
Beim Zusammenfügen der Metallbaugruppe und des Glasfußes ist Fingerspitzengefühl gefragt. Feine Drähte werden ausgerichtet, Verbindungen hergestellt und die Position der Bauteile kontrolliert.
Das ist einer der Gründe, warum Nixie-Röhren aufwendig zu fertigen sind. Es reicht nicht, die Teile ungefähr an die richtige Stelle zu setzen. Kleine Abweichungen können später einen Unterschied machen.
Die Fotos mit den blauen Handschuhen zeigen genau diesen Teil der Arbeit. Was in der fertigen Uhr ganz selbstverständlich aussieht, entsteht hier Schritt für Schritt.
Wie das orangefarbene Leuchten entsteht
Nach der Montage wird die Baugruppe in die Glashülle eingesetzt. Die Röhre wird evakuiert, mit einer geeigneten Gasmischung befüllt und verschlossen.
Das Licht entsteht später durch eine Gasentladung rund um die jeweils angesteuerte Ziffer. Es gibt keinen glühenden Draht wie in einer klassischen Glühlampe. Stattdessen zeichnet das Gas die Form der Metallziffer mit Licht nach.
So entsteht der warme orangefarbene Schein, für den Nixie-Röhren bekannt sind.
Eine fertige Röhre muss sich erst beweisen
Nach der Fertigung folgt die Prüfung. Wir kontrollieren die einzelnen Ziffern und achten darauf, wie sie leuchten. Denn eine Röhre soll nicht nur bei einer bestimmten Zahl gut aussehen, sondern im täglichen Betrieb.
Wenn du später auf eine Nixie-Uhr schaust, siehst du vor allem die Zeit. Wir sehen darin auch die Glasarbeiten, die feinen Verbindungen und die Stunden an der Werkbank.
Genau das möchten wir mit diesen Bildern zeigen: Nixie-Röhren sind keine Technologie, die nur noch in alten Lagerkisten existiert. Bei uns werden sie weiterhin gebaut – eine Röhre nach der anderen.